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Aufenthalt am North Rim
Am ersten Abend ist von der Lodge aus etwas zu beobachten, für das niemand eine sichere Antwort geben kann. In ziemlicher Entfernung steigt plötzlich ein weißer Feuerball auf, der einen weißen Schweif hinter sich läßt (unter sich). Der Ball löst sich auf und zunächst entstehen zwei rote Ringe, die sich später in einen roten Ring verwandeln. Das Ganze dauert ca. zehn Minuten! Dann ist der Spuk vorbei. Meine Erklärung scheint mir immer noch die plausibelste zu sein: Es handelte sich um einen explodierenden Baum in einem Waldbrandgebiet. Dagegen spricht allerdings, daß dort kein Rauch zu sehen ist.
Die Nacht vom 3. auf den 4. Oktober
Für den Rückmarsch - eine zwischenzeitlich angedachte Shuttlefahrt habe ich gecancelt – möchte ich die Nacht vom 3. auf den 4. Oktober möglichst nahe am Trailhead schlafen. Ein Gedanke mit Folgen. Ich mache mich mit meinem Rucksack auf den Weg. Zum Trailhead muß ich erst am Weg zum Campground vorbei und dann am Weg zum Backcountry Office, der Rangerstation. Ich gehe die Straße lang, der Waldweg war mir zu finster. Immer wenn ein Auto kommt, schalte ich kurz die Taschenlampe an, die ich mir vorher gekauft habe. Dabei denke ich nicht darüber nach, daß die Autofahrer sich etwas bei dem Ganzen denken. Es sind Ranger und Leute vom Campground dabei.
Als ich am Campground vorbei komme, wird erwartet, daß ich als Camper dahin abbiege. Als ich das nicht tue und unglücklicherweise auch noch kurz die Taschenlampe einschalte, macht sich sofort (max. Verzögerung 5 sec) ein Auto auf die Suche nach mir. Wäre ich jetzt stehen geblieben, wäre wohl alles o.k. gewesen. Da ich aber schon zwei Nächte wild gecampt habe, verstecke ich mich. Eine wilde Suchaktion beginnt, die die ganze Nacht dauern soll. Ich habe mich in den beginnenden Canyonrand verzogen und bin dabei von der Höhe genau bei der Einfahrt zum Campground geblieben. Mein Gedanke, daß man mich da, wo ich zuletzt war, am wenigsten suchen würde, ist richtig. Zwei Mann machen sich zu Fuß auf die Suche nach mir. Sie suchen vom Campground Richtung Trailhead. Ich glaube zu dem Zeitpunkt die ganze Zeit, nicht am Campground sondern am Backcountry Office zu sein.
Autos fahren wie wild hin und her. Als endlich Ruhe einkehrt, verlege ich meinen Standort in den bereits abgesuchten Bereich hinein. Fünf Minuten später kommt ein Auto aus dem Campground und sucht genau die Stelle ab, wo ich eben noch gelegen habe. Das war knapp.
Als der Mond gegen 400 Uhr schön hoch am Himmel steht, mache ich mich auf zum Trailhead. Schließlich will ich wegen meiner Füße genug Zeit haben. Leider muß ich feststellen, daß mehrere Streifenwagen den Trailhead bewachen. Ich schlage mich also erneut seitwärts in die Büsche und warte ab. Ich bin so nahe, daß ich ihre Gespräche belauschen kann, aber so weit weg, daß sie mich auf keinen Fall sehen können. Das faule Volk hat es die ganze Zeit nicht einmal für nötig gehalten, noch einmal alles abzusuchen. Sie sind nicht mal aus ihren Streifenwagen ausgestiegen.
Die Sonne geht auf. Eine Viertelstunde später hauen sie endlich ab. Daß sie mir dabei keine Falle stellen, kann ich ihren Gesprächen entnehmen ("Vielleicht ist er schon lange im Canyon").
Um 650 mache ich mich mit gemischten Gefühlen auf den Weg. Aber die Aktion war damit wirklich zu Ende.
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